Viva Felicitas! – Im Zeichen des Pumas

Guten Tag Ihr Lieben,

ich hatte versprochen Hintergrundinformationen über die Arbeit zu posten und auch von dem zu schreiben, was interessant ist aber vielleicht nicht in den Felicitasroman eingefügt werden kann.
Ich bin gefragt worden, wie es dazu kam, dass Felicitas ein Krafttier hat, warum es ein Pumaweibchen ist, und warum sich dieses Tier Tamara Sänft häufiger zeigt.

Als ich mir Felicitas zum ersten mal vorgestellt habe, kam direkt der Eindruck auf, dass sie einen tierischen Begleiter hat. Die verschiedenen Indianerstämme in Nord- Mittel- und Südamerika sind davon überzeugt, dass Menschen und Tiere in alter Zeit einandern noch so verwandt waren, dass sie miteinander ungehindert sprechen konnten. Die Mythen darüber, wie es dazu kam, dass diese Kommunikation meist nicht mehr möglich ist, sind sehr unterschiedlich. Aber die Indianer glauben inzwischen, dass oft nur noch di Schamanen mit den Tieren sprechen können, und dass jeder von ihnen ein eigenes Krafttier hat, dass ihn schützt und besondere Fähigkeiten schenkt.
Vor allem von den Indianern Kanadas weiß man, dass sie immer noch glauben, dass Tiere sich besonderen Menschen in bestimmten Situationen nach wie vor offenbaren, um sie zu warnen, zu trösten oder ihnen Kraft zu geben. Gerade Wölfe sollen sich einzelnen Menschen annähern, obwohl sie normalerweise besonders menschenscheu sind. Ich verstehe das so, dass besonders aufgeschlossene Menschen wie eben Felicitas aus dem Kontakt mit der klaren Vorstellung mit einem Krafttier verbunden zu sein, Lebensqualität schöpfen können.
Ursprünglich hatte ich rein intuitiv daran gedacht, dass Felicitas ein Pumaweibchen als Krafttier hat. Doch inzwischen weiß ich, dass das genau die richtige Idee war.
Das Wort Puma stammt aus der Sprache Quechua der Inkas. Die Tiere werden auch als Silber- oder Berglöwen bezeichnet, da ihr dunkles Fell oft einen silbrigen Glanz hat, und da sie in Bergregionen heimisch sind.Der Puma ist schnell, geschickt und stark. Aber wer den Puma als Krafttier hat, ist auch besonders sensibel und seine Seele kann leicht verletzt werden. Menschen, deren Krafttier der Puma ist, können ihre Kräfte und Fähigkeiten leicht in der Natur stärken oder wieder herstellen. Sie müssen sich um ihr Selbstvertrauen bemühen, können sich aber auch auf ihre unterschiedlichen Kräfte verlassen. Als geduldige Einzelgänger sind sie stille Beobachter, die aber nach Bedarf plötzlich angreifen können. Im Zeichen des Pumas ist die Aufgabe nicht zu sehr zu vereinsamen und Strategien zu entwickeln, welche Menschen und weltlichen Aspekte aufgeschlossen begegnet werden kann. Informationen, Bilder und Klänge über und von Pumas sowie über andere Krafttiere findet Ihr z. B. hier: http://www.schamanische-krafttiere.de/krafttier-puma.html.
Pumas sind große Katzen. Und Katzen haben, so sagt man, neun Leben, da sie über Zähigkeit und einen starken Überlebenswillen verfügen. An welche Ereignisse Felicitas und ihr Puma die ersten sieben Leben verloren haben, werdet Ihr im Verlauf des Felicitasromans lesen können.
Und jetzt geht es nur noch um die Frage, warum der Puma auch bei Tamara auftaucht. Da Felicitas angekündigt hat, dass sie wieder kommen will, da noch alte Sachen aufzuarbeiten sind, zeigt sich das Tier immer wieder da, wo Felicitas gelebt hat, und wohin sie zurückkommen möchte. Das gehört sozusagen zum Revier des Pumas.
Liebe Grüße
Paula Grimm
PS auch bei http://www.wirkendekraft.at/ gibt es interessante Aspekte über Krafttiere! ]

Geschlagen mit einem Erschlagenen

0005. Hohlbufg, Samstag, 26. Februar 2000

Es ist immer noch keine Post für mich gekommen. Aber ich habe genug zu lesen. Und inzwischen habe ich einen großen Korb mit Wolle, sehr gute Strumpfwolle ist auch dabe, bekommen. Bei manchen Geschenken fragt man sich besser nicht, woher sie kommen. Jedenfalls hat mir Frau Finke den Korb nach dem Hofgang gegeben.

Aber nachdem schon ein Paar Strümpfe fertig sind und ich zwei Märchen aus tausendundeiner Nacht gelesen habe, ist es jetzt an der Zeit endlich über Siegbert von Säbelschaft zu schreiben. Mit diesem Kerl war ich zu seinen Lebzeiten geschlagen und jetzt, da er tot ist, bin ich erst recht mit ihm geschlagen und nicht nur, weil ich verdächtigt werde, diejenige zu sein, die ihn erschlagen hat. Wenn jemand, mit dem man nicht einfach nur regelmäßig zu tun hat, der einen wirklich was angeht, plötzlich verschwindet oder stirbt, dann ist das immer ein schlagendes Argument dafür, dass man sich mit ihm ganz neu zu befassen hat.

Siegbert von Säbelschaft schlug am 01. Oktober des vergangenen Jahres zum ersten Mal in der Bar des Aphrodite auf. Obwohl er keinen Lärm oder heftigen Luftzug verursachte, als er die Bar betrat, ist aufschlagen das passende Wort. Es gibt eben Menschen, deren Art es einfach ist, aufzuschlagen oder hereinzuplatzen, wenn sie einen Raum betreten. Das hat irgendwas mit dem Platz zu tun, den sie um sich brauchen, mit Verdrängung und Ausstrahlung. Aber natürlich wissen solche Menschen auch, wie sie diesen Effekt noch verstärken können. So war es selbstverständlich kein Zufall, dass Siegbert von Säbelschaft bereits um kurz nach sechs in die Bar kam. Auf diese Weise war sicher gestellt, dass noch nicht viel los war, sodass jeder, der die bar betrat, einfach auffallen musste.

Alle Anwesenden sahen ihn an, als er eintrat. Mein erster Eindruck war, dass er mit seinem blonden Haar, den leuchtend blauen Augen, seinem hellen Gesicht und der art, wie er sich bewegte, ein leuchtendes Beispiel für einen geborenen Blender war und wie gut er es vermochte die Aufmerksamkeit, die ihm geschenkt wurde und die Beachtung, die ihm entgegen gebracht wurde, in sich aufzusaugen und sich damit im wahrsten Sinn des Wortes aufpumpen zu können. Schade, dass auf diese Art niemand platzen kann. Denn dann wäre einigen von uns viel erspart geblieben! „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance!“, so heißt es doch. Aber, was heißt das schon? Denn auch für jeden weiteren Eindruck gibt es keine zweite Chance. Und so war es natürlich auch mit dem zweiten Eindruck, den ich von ihm hatte. Er sah sich in der Bar um. Und wie sein Blick neugierig durch den Raum schweifte, wurde das helle Strahlen, das von ihm ausging, immer wieder durch unterschiedliche dunkle Flecken unterbrochen, von denen man nicht sagen konnte, woher sie kamen, und die man nicht einmal ansatzweise beschreiben konnte. War er mir auf den ersten Eindruck unsympathisch gewesen und hatte mich das, was ich zuerst gesehen hatte, gewarnt, so stellte der zweite Eindruck mein Habachtprogramm auf die höchste Stufe ein.

Siegbert von Säbelschaft kam an die Theke und bestellte bei Sybille einen Bordeaux. Und mit dem Glas in der Hand ging er geradewegs auf den Tisch zu, an dem die Wagenknechts saßen. Das war kein gutes Zeichen. Denn es bedeutete, dass von Säbelschaft auf Empfehlung eines Freiers gekommen war, der den Besuchsservice in Anspruch nahm. Normalerweise bedienen die Huren im Aphrodite ihre Kunden in ihren Apartments. Seit Anfang 1999 räumen die Wagenknechts einigen Kunden jedoch das Recht ein, Frauen dorthin bestellen zu Dürfen, wo sie bedient werden wollen. Bislang geht das noch gut. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis es Ärger mit den „freischaffenden Nutten“ geben wird.Außerdem haben die Wagenknechts kein gutes Händchen dafür, wem sie diesen Spezialservice gewähren. Zumindest die Chefin müsste es besser wissen und sich nicht nur auf eine Empfehlung von irgend jemandem verlassen. Sie war ja schließlich auch mal eine von uns. So empfehlen abartige Vögel eben nur andere abartige Vögel. Und der von Säbelschaft sollte sich als der abartigste Vogel von allen herausstellen.

Der dritte Eindruck, den ich von von Säbelschaft hatte, war seine Stimme bei der Bestellung gewesen. Es war die Stimme eines geborenen Intriganten und Verschwörers. Und dieser Eindruck verstärkte sich noch, als er sich zu den Wagenknechts an den Tisch setzte, nachdem er sie kurz begrüßt hatte. „Ich komme auf Empfehlung von Petrus von Pattberg!“, sagte er mit relativ leiser Stimme aber so nachdrücklich, dass es zumindest die meisten Anwesenden nicht überhören konnten, obwohl Musik im Hintergrund lief. Die Gespräche waren ohnehin verstummt, als er hereingekommen war. Beide Wagenknechts nickten ihm zu.

Bevor er weiter sprach, nahm er einen Schluck aus seinem Glas. „Ich brauche ein Täubchen, dass mich dreimal in der Woche in meiner Zweitwohnung besucht! Was absolut Zuverlässiges! Eine mit viel Erfahrung als Sexarbeiterin, die vor nix fies ist! Sie wissen schon, was ich meine!“ Das sagte er immer noch in diesem leisen und nachdrücklichen Ton. Dazu grinste er breit und unverschämt, was seinen jungenhaften und leuchtenden Zügen alles andere als gut zu Gesicht stand. „Um die Bezahlung müssen Sie sich selbstverständlich keine Sorgen machen. ich bin Notar und Anwalt für Wirtschaftsrecht mit eigener Kanzlei und Einkünften aus dem elterlichen Unternehmen.“ Nachdem er das gesagt hatte, flüsterte er den Wagenknechts irgendetwas zu, das nur sie verstehen konnten. Sybille beugte sich zu mir herüber und zischte mir zu: „Scheiße! Jetzt handelt der auch noch Sonderkonditionen aus wie sein Busenfreund, der von Pattberg!“ „Die, die der sich aussucht, muss nicht nur auf der Hut sein, was die Bezahlung betrifft. Der Typ ist ‚ne absolut linke Sau!“, erwiderte ich. Sybille und ich musterten von Säbelschaft noch einmal mit einem langen und skeptischen Blick, bei dem mir auch der teure Rucksack ins Auge fiel, den er mitgebracht hatte. „Früher hatten die Frauen auch in diesem Haus das letzte Wort, was die Freier betraf und die Securities hatten noch mehr Biss und waren richtig gut auf dem Posten!“, meinte Sybille und tiefes Bedauern stand in ihrem Gesicht geschrieben.

Weiter kamen wir nicht. Denn Siegbert von Säbelschaft war aufgestanden und hatte begonnen die Bar zu durchstreifen, um uns nacheinander prüfend anzusehen, welche von uns das Elend ereilen sollte, ihn zumindest in der nächsten Zeit dreimal in der Woche zu bedienen. Er hatte zwei Runden durch die Bar gedreht, als er sich plötzlich neben mich stellte und schmeichelnd fragte: „Guten Abend, wie heißt du denn meine Schöne?“ „Guten Abend Siegbert! Ich bin die Felicitas!“ Er schwang sich auf den leeren Barhocker, der neben meinem stand. Dabei gab er eine äußerst elegante Figur ab. Seinem Gesicht war anzusehen, dass er sich meine Stimme anders vorgestellt hatte und überrascht war. Dass ich aber auch sehen konnte, das ihm gefiel, was erhörte, veranlasste mich aber nicht meinen Habachtmodus herunterzufahren. „Was magst du trinken, Felicitas?“ „Ein Altbier bitte!“ „Keinen Champagner oder Sekt?“ Ich schüttelte den Kopf. Und da er mich ungläubig ansah, schenkte ich ihm reinen Wein ein und sagte: „Für mich sind Campus und anderer Sekt nur Sprudelwasser mit Alkohol. Ich trinke das Zeug nur, wenn jemand drauf besteht. – Vollkommen überbewertet das Zeug!“ Siegbert grinste und ich konnte ihm ansehen, wie froh er darüber war, dass ich keinen Sekt wollte. „Ein Altbier und ‚nen Whisky!“, rief er Sybille zu.

Als die Getränke vor uns standen, begann er leutselig zu plaudern und mich dabei auszuhorchen. Er sagte, dass mich die Chefin wärmstens empfohlen hatte und wollte wissen, wie lange ich schon als Prostituierte und hier im Aphrodite arbeitete. Das war nichts Ungewöhnliches. aber mir fiel auf, wie ungeduldig er war, und dass ich ihn offensichtlich aus dem Konzept brachte. Es machte den Eindruck als ob er irgendeine festgelegte Vorgehensweise im Umgang mit Huren hatte, die er aber bei mir aus irgendeinem Grund nicht anwenden konnte.

Schließlich gab er die Bemühung wie ein „herkömmlicher“ Freier zu wirken, auf. Und dann wurde sein Verhalten richtig merkwürdig. Er setzte eine geschäftsmäßige Miene auf und erklärte mir in ebenfalls geschäftsmäßigen Ton, wie er weiter vorzugehen gedachte: „Mit uns wird das jetzt folgendermaßen weitergehen. Gleich gehen wir zu dir nach oben. Ich sehe mir immer die Behausungen der Sexarbeiterinnen an, die das Privileg haben für mich arbeiten zu dürfen. Das hat sich als die beste Art herausgestellt, sich über dich und deinesgleichen gründlich zu informieren. Erst, wenn ich gesehen habe, wie du lebst und drauf bist, gebe ich dir den Schlüssel für meine Zweitwohnung, wo du mich dienstags, donnerstags und samstags besuchen darfst und zwar immer um halb sechs. Ich hoffe, du kannst kochen. Denn nach dem Sex und einer kleinen Ruhepause habe ich Hunger und zwar nicht nur auf was zu essen sondern auch auf eine anständige Unterhaltung.“ „Wenn der Kühlschrank was für ‚ne gute Hausmannskost mit mediterranem Einschlag gefüllt ist, kommen wir diesbezüglich auch ins Geschäft.“ „Du gefällst mir immer besser!“, sagte er wieder in diesem ekelhaften schmeichelnden Ton. „Du mir nicht!“, dachte ich sagte aber natürlich nichts. „Da ist noch etwas, dass du wissen musst. Ich bin gegen manche Gummis und/oder Gleitzeug allergisch. aber ich habe immer die passenden Sachen im Haus. Und ich bestehe darauf, dass das genommen wird, was ich habe!“ „Kein Problem!“, erwiderte ich, obwohl mich ein ungutes Gefühl beschlich bei dem, wie er das, was er gesagt hatte, von sich gegeben hatte.

Man kann gegen alles allergisch sein. Und ich hatte mindestens noch zwei Kunden, die bezogen auf die Gummis auf einer bestimmten Marke bestanden. Aber irgendetwas stimmte da nicht. Doch nichts Genaues kann man nicht genau wissen, und weil das so ist, kann man oft auch nichts dagegen tun. Mir blieb nichts weiter übrig als aufmerksam zu sein.

Bei einem weiteren Glas Altbier und einem zweiten Whisky, den Siegbert trank, plauderten wir weiter. Und ich wurde das Gefühl nicht los, dass er mich mit einer mir bis dahin unbekannten Art von Misstrauen prüfte. Nach und nach verschwand das Misstrauen. Und an seine stelle trat eine Neugier, die sich merkwürdig steril anfühlte, etwas wie einen professionellen Anstrich hatte als ob er ein Kaufmann, ein Warenprüfer oder ein Wissenschaftler wäre. Und ich begann mir immer mehr wie ein Versuchskaninchen vor. Aber auch das konnte ich nicht genau genug fassen, um mich dagegen wehren zu können.

Schließlich war auch sein Whisky leer. Und mehr für die Wagenknechts bestimmt als für mich sagte er: „Lass uns jetzt zu dir ‚raufgehen!“

Als wir gemeinsam die Bar verließen, schaffte ich es den Anschein zu erwecken, dass alles normal lief wie immer, dass ich mit einem gewöhnlichen Freier zu mir nach oben ging. Ich hatte schon, als Siegbert von Säbelschaft sich neben mich gesetzt hatte, beschlossen, die Herausforderung anzunehmen. Irgendetwas in mir sagte mir, dass es schlimm werden würde, dass es aber schlimmer sein würde, wenn ich versuchen sollte, ihm auszuweichen und abzuweisen. Körperlich hatte ich nicht die geringste Angst vor ihm. Er mochte sich aufblasen wie er wollte. Er war ungefähr fünfzehn Zentimeter kleiner als ich, ein mickriges Würstchen. Und jetzt musste er erst einmal in die Höhle der Löwin. Das hatte er selbst gewollt. Dann sollte er es auch haben. ASchließlich standen wir vor meiner Wohnungstür, und ich musste einen Augenblick innealten. Denn eine mir unmbekannte Stimme sagte: „Felicitas, du musst es mit ihm aufnehmen. Wenn du das nicht machst, wird es noch viel schlimmer!“ Und unwillkürlich musste ich daran denken, wie mein halber Onkel Edwin früher immer von mir als der Frau für das Grobe und den Storch im Salat geredet hatte. – „Also auf in den Kampf!“

Als ich die Wohnungstür hinter mir schloss, begann von Säbelschaft durch die Zimmer zu schleichen. Bei seinem ersten Rundgang zeigte sich auf seinem Gesicht ein fast ängstlicher Ausdruck. Dann aber änderte sich seine Miene, obwohl er weiterhin übertrieben vorsichtig auftrat. Schließlich begnügte er sich nicht mehr damit herumzulaufen und sich skeptisch umzusehen. Er zog die Schubladen auf und sah hinein. Er öffnete die Türen der Schränke. Er sah sogar in den Kühlschrank und den Backofen. Und dabei sprach er ohne Unterbrechung halblaut mit sich selbst.

„Für so’ne große Frau reicht erstaunlich wenig Platz oder wie? So exotisch und doch so spießig, nicht zu glauben. Nach außen voll die kalte Sophie und so’n warmes Ambiente, unglaublich.“ Und so redete er in einem fort, ohne dass zu hören war, ob ihm die Widersprüche gefielen oder gegen den Strich gingen.

Was macht man, wenn einen so eine Nervensäge heimsucht. Ich jedenfalls legte mich gemütlich auf mein rotes Sofa im Wohnzimmer und tat als ob mich sein Getue überhaupt nicht störte. Und ich bin mir sicher, dass er Mühe hatte, sich von meiner Gelassenheit nicht auf die Palme bringen zu lassen.

Schließlich ging er in die Küche, setzte sich an den Tisch und seufzte: „Jede Andere hätte mir ‚ne Szene gemacht!“ Ich sagte nichts, stand auf und ging ebenfalls in die Küche. „Was ist los mit dir, warum regst du dich nicht auf?“ „Ich reg‘ mich nur sehr selten auf!“, erwiderte ich und sah ihm mit einem prüfenden Blick in die Augen. Heute würde er keinen Sex haben wollen. So viel stand fest. „Kaffee?“ „Wenn’s einer ist, der Tote aufwecken kann, dann ja!“ „Woher soll ich das wissen, ob er das kann. Hab noch keinen Toten hier zu Besuch gehabt, dem ich meinen Kaffee hätte anbieten können!“ Ich grinste, obwohl mir nicht danach zu Mute war, denn ich spürte plötzlich, wie ein kalter Hauch vom Wohnzimmer her in meinen Rücken zog, bis zum Nacken hinauf kroch, wo er so lange saß, bis ich mich in Richtung Kaffeemaschine in Bewegung setzte.

Als ich die Kaffeemaschine anschaltete, sah von Säbelschaft auf seine Armbanduhr und jammerte: „ich hab’ auch Hunger. Krieg’ ich denn hier nichts zu essen?“ „Vom Mittagessen mit Sybille sind noch Kartoffeln da. Wie wär’s denn mit Bratkartoffeln und Rührei?“ „Gibt’s auch den Schafskäse dazu?“ „Der ist für morgen Mittag!“ Ich dachte nicht im Traum daran, ihm eines meiner Lieblingsgerichte aus Kindertagen, Bratkartoffeln, mit Tomate, Rührei und Schafskäse, wie es meine Mamita gemacht hatte, in den gierigen Schlund zu werfen und schon gar nicht in meiner eigenen Wohnung. Zunächst saß er mit beleidigter Miene da. Doch als ich mich ihm gegenüber hinsetzte, um Zwiebeln, Kartoffeln und Tomaten zu schneiden, sah er mich streng an und meinte: „Du bist scheiße frech und unverschämt! Eigentlich müsste man dich erst mal nach Strich und Faden verwimsen!“ Ich hielt seinem Blick stand und gab zurück: „Danke gleichfalls! aber bei dir wird’s wohl nicht mehr helfen, dir den Arsch zu versohlen. Deine Mutter hat dir wohl gar keine Manieren beigebracht, Adel hin oder her!“
Von Säbelschaft zuckte zusammen fing sich aber schnell wieder. Er beobachtete fasziniert, wie ich die Lebensmittel schnitt. Schließlich meinte er mit übertrieben versöhnlichem Ton in der Stimme: „Flink und präzise wie ‚ne Meisterköchin!“

Ich stand auf, gab etwas Fett in die Pfanne und stellte den Herd an. Der Kaffee war fertig, und ich schenkte uns meinen Spezialkaffee aus, von dem ich immerhin wusste, dass er Untote nach durchzechter Nacht oder nach Überarbeitung aufwecken konnte.

„Eins muss ich dir sagen, Felicitas! In manchen Dingen hast du wirklich keine Spur von Kultur. Kaffee in Sammeltassen mit Hundemotiven, das ist wirklich das Letzte!“ Nichts desto trotz nahm er einen großen Schluck aus seiner Tasse und Für einen winzigen Augenblick war ein genießerischer Ausdruck in seinem hellen Gesicht zu sehen. „Naja, ganz ordentlich!“, meinte er schließlich und auf seinem Gesicht war wieder ein sehr skeptischer Ausdruck zu sehen.

Endlich war auch das Essen fertig. Ich gab ihm eine große Portion aus der Pfanne und stellte ihm den Teller hin. Er wartete nicht, bis ich zum Herd gegangen, mir den kläglichen Rest auf einen Teller getan hatte und zum Tisch zurückgekommen war, um eine Kleinigkeit mitzuessen. Als ich ihm wieder gegenüber saß, funkelte Gier in seinen Augen. Und es war klar, dass sich diese nicht nur auf das Essen bezog. „ErzÄhl mir was von dir. Wo kommst du her? Wie lange und warum bist du schon Hure?“

Ich zog die Tischschublade auf und holte das Foto, das Lola im August 1990 am Strand von Katalonien von mir gemacht hat, und von dem ich mehrere Abzüge an verschiedenen Stellen meiner Wohnung liegen hatte, als handfeste Erinnerung an eine der besseren Zeiten. Ich hielt es Siegbert hin. „Was glaubst du, wie alt ich da bin?“, fragte ich ihn. Er zuckte mit den Achseln. „Ich hab’ keinen Bock auf Ratespielchen!“, gab er unwillig und genervt zur Antwort.

„Das ist im August 1990 gemacht worden und zwar von meiner Freundin Lola. Ich war zwölf. Sie hat mich mitgenommen nach Katalonien und später nach Mallorca. Ich musste weg von da, wo ich herkomme. Meine Mamita war Ende Juli überfahren worden. Und bei meinen Verwandten, meiner Geschichte und bei einigen anderen Sachen konnte ich nicht bleiben. Zuerst habe ich als Dienstmädchen in einem großen Hotel gearbeitet. Falsche Papiere hatte ich ja. Das war eine gute Zeit. Ich konnte für mich sorgen, kannte tolle Frauen auf der Straße und wurde nicht von meiner Verwandtschaft oder sonst jemandem genervt oder unterdrückt und verachtet. Ende 1994 wurde Lola schwer krank. Sie war natürlich nicht versichert. Also musste Geld her! Damit Lola eine gute Krebsbehandlung in ‚ner Spezialklinik in Barcelona bekommen konnte, hab‘ ich dann angefangen anschaffen zu gehen!“

„Da hast du dich im wahrsten Sinn des Wortes ganz schön krumm gelegt und das für ‚ne alte, abgewrackte Nutte!“, sagte von Säbelschaft und schickte seinen unverschämten Worten Noch ein kurzes, fettes Ziegenlachen hinterher, das ich in den nächsten Monaten noch häufiger zu hören bekommen sollte. Wenn ihm nichts mehr einfiel, oder wenn er sich nicht mehr zu helfen und zu wehren wusste, schlug Siegbert von Säbelschaft oft mit Spott um sich. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass er mich auch nur ein einziges Mal voll getroffen hat. Mancher dieser Schläge streifte mich zwar aber die meisten gingen an mir vorbei wenn auch nur knapp. Diesmal ging der Schlag so weit ins Aus, dass es mir überhaupt nicht schwer fiel nicht zu reagieren.

„Lola ist nach eineinhalbJahren gestorben. Sie war eine Kämpfernatur und hat sich tapfer geschlagen. Und immerhin konnte sie friedlich sterben! Ende 1996 bin ich wieder nach Deutschland zurückgekommen. Und seit März 1998 arbeite ich hier im Aphrodite!“
„Was ist mit deinem Vater?“
„Ich bin das Produkt einer Vergewaltigung. Mein Erzeuger zog es vor sich mit einer Maske als Täubchen zu tarnen und hat das Glück der Doofen, dass ich genauso aussehe wie meine Mamita und Abuella Isabel. Ansonsten wäre er wohl enttarnt worden. Mehr gibt es über das Arschloch nicht zusagen!“

Meine Worte müssen sehr hart und entschlossen geklungen haben, denn von Säbelschaft sah plötzlich aus wie ein Huhn, wenn es donnert. aber ich setzte nach. „Mehr werde ich dir nicht von mir erzählen und vor allem über meinen Erzeuger werde ich kein weiteres Wort mehr verlieren! Ist das klar?“ Siegbert nickte halbherzig. Aber ich wusste, dass er immer wieder versuchen würde, meiner vollkommen habhaft zu werden, auch über meine Lebensgeschichte.

„Hast du eigentlich einen Künstlernamen?“, fragte er nach einer kurzen Pause. „Nein, eigentlich nicht! Und nenn’ mich bloß nicht Lici! Denk dran, es hat schon Männer gegeben, die Kurtisanen verärgert haben und als Eunuchen ihr Leben beenden mussten!“ Es gelang mir tatsächlich einen scherzhaften Ton der ganz derben Sorte anzuschlagen. Aber ich sah Siegberts Gesicht doch an, dass wenigstens diese Botschaft bei ihm angekommen war. und tatsächlich hat er es nie gewagt, Lici zu mir zu sagen.

Schließlich stand ich auf und räumte das Geschirr in das Spülbecken. Danach ging ich ins Wohnzimmer, griff in mein Bücherregal, nahm Vita brevis von Jostein Garder heraus und hielt es von Säbelschaft hin, der mir gefolgt war und hinter mir stand. „Wenn du willst und es dir nichts ausmacht, einen „gebrauchten Spitznamen“ zu benutzen. Dann nenne mich Floria wie die angebliche Exgeliebte des Augustinus in diesem Buch heißt!“

Von Säbelschaft schlug das Buch auf. „Da ist noch nicht mal ‚ne Widmung drin. Von wem hast du das?“ „Von meinem besten Kunden und Freund. Der heißt Leo!“ „Der Name ist besser für dich als der Offizielle. Das musst du nicht verstehen. Das ist einfach so! Also Floria, da gibt es noch eine Sache, die du wissen musst. Ich bestehe darauf, dass du eher in meiner Zweitwohnung aufschlägst als ich, damit du das Ambiente so herrichten kannst, wie ich es will. Der entsprechende Zettel wird immer am Kühlschrank hängen, klar?“ „Ist gebongt!“

In diesem Augenblick klingelte das Haustelefon. Ich sah auf die Uhr. Es war genau neun Uhr. Ich spürte, dass von Säbelschaft mit den Hufen scharrte und gehen wollte. „Tschüss dann!“, sagte ich und ging ans Telefon in der Küche. Sybille war am Apparat und erinnerte mich an meinen Nächsten Termin um viertel nach neun.

Als ich nach dem Telefonat ins Wohnzimmer zurückkam, war von Säbelschaft verschwunden. Vita Brevis lag auf dem Tisch. Und als ich mich umsah, entdeckte ich die Statue der afrikanischen Fruchtbarkeitsgöttin, die von Säbelschaft auf den Schrank gestellt hatte. Ich hatte ihm keine Beachtung geschenkt, dem Rucksack, den von Säbelschaft bei sich gehabt hatte, aber jetzt wusste ich, wozu er ihn gebraucht hatte. Und jetzt wusste ich auch, dass er mich wirklich als seine Sexarbeiterin bestellt hatte.

Ich Setzte mich auf mein Sofa und sah zur Wohnzimmertür. Ich sah und spürte dort den Geist einer Frau stehen, die einfach dastand und mich mit demselben skeptischen Blick musterte wie Siegbert von Säbelschaft es so häufig tat. Und der Blick war wohl nicht der einzige Grund, warum ich wusste, dass da seine Großmutter stand, obwohl sie sich als sehr junge Frau zeigte. „Freiherrin Ernestine, Franziska, Gertrudes, Hildegunde von Säbelschaft geborene von Kollenberg!“, sagte sie grußlos. „Und was wollen Sie?“ „Ich warne dich! Sei zu meinem Sohn, wie er es will und tu ihm auf keinen Fall irgendetwas an. Denn ich bin auch noch da!“ Und sie war nicht allein. Aber ich merkte auch, dass sie sich nicht näher an mich heranwagte. Auch ich war nicht allein. Der gute Geist von Oma Isabel hielt sie so gut in Schach wie es möglich war. Und sie würde in ihren Bemühungen nicht nachlassen.

Informationen über Felicitas, die ersten sieben Leben eines Pumas findet Ihr im Buchladen von Paula Grimms Schreibwerkstatt.

Viva Felicitas! – Vielfach lecker für Felicitas

In Viva Felicitas geht es heute um das, was Felicitas gern isst.

Guten Tag Ihr Lieben,

eine gute Mahlzeit hält Leib und Seele zusammen. Das sagt ein bekanntes Sprichwort, das immer und sicherlich auch überall auf der Welt Gültigkeit hat. Felicitas, ihre Großeltern und auch Mamita Tery gehen noch einen Schritt weiter und leben: „Eine gute Mahlzeit hält Leib und Seele zusammen oder bringt sie wieder zusammen, um sie zu stärken!! Das Bekenntnis dazu findet Ihr im dritten Kapitel lesen: „Wir essen gut und gern!“ Also ist es an der Zeit über die Felicitas’ kulinarische Erlebniswelt zu schreiben. Hinzu kommt, dass es in Kapitel sieben und acht u. a., um das geht, was bei der Hochzeitsfeier auf die Tische kommt. Felicitas kennt die Niederrheinische und peruanische Küche. Denn es gibt inzwischen viele Produkte der peruanischen Küche auch in Deutschland. Und ein Lebensmittel verbindet den Niederrhein mit Peru`, das ist die Kartoffel. Dazu muss allerdings erwähnt werden, dass es im Mutterland der tollen Knolle, in Peru` ungefähr 80 Kartoffelsorten gibt. Auf eine so reiche Vielfalt können wir am linken Niederrhein nicht zurückgreifen, obwohl man ja inzwischen auch exotischere Feldfrüchte, zum Beispiel blaue Kartoffeln, im Feinkosthandel oder Großmarkt kaufen kann. Und Felicitas’ schmeckte sicherlich schon häufiger Ceviche, gebratenes oder gegrilltes Rinderherz etc. Und das mag sie genauso gern wie niederrheinisches Endivienuntereinander, Püfferkes usw.

Leckere und einfache Vielfalt aus Peru`

Sie hat bei vielen Feinschmeckern nach wie vor einen zweifelhaften Ruf, die peruanische Küche, obwohl es die peruanische Küche in einem strengen Sinn nicht gibt. Sie besteht aus verschiedenen regionalen Kochtraditionen und ist bei vielen Europäern verpönt, da ein Hauptbestandteil dieser Kochtradition gebratenes Meerschweinchen, Cuy Chactado ist.

Die Nager stehen bereits seit vielen Jahrhunderten auf dem Speiseplan vor allem in der Andenregion. Die Tiere werden dort in Gruppen, wie es zu ihrer Art passt, als Haustiere gehalten, mit Küchenresten gefüttert, geschlachtet und zubereitet, wie es bis weit in das 20. Jahrhundert in vielen europäischen Ländern mit Kaninchen gemacht wurde. Und gerade bei Feinschmeckern stehen niedliche Tiere wie Kaninchen und Lämmer nach wie vor ganz oben auf dem Speiseplan.

Traditionell gehören auch Lamas zu den Speisetieren. Ursprünglich spielte die Viehzucht allerdings keine große Rolle. Inzwischen gibt es aber auch Hühnchen, Rind-, Ziegen- und Schweinefleisch. Zusätzlich zu zahlreichen Kartoffelsorten werden viele Maissorten, Quinoa und Pfeffer gezüchtet. Kochbanane und Reis stehen ebenfalls auf dem Speiseplan.

Allmählich bessert sich der Ruf der peruanischen Küche, die vielseitiger ist, als man denkt. In den unterschiedlichen Regionen gibt es verschiedene Regionalrezepte. Nicht nur die örtlichen Unterschiede tragen zur Vielfalt der peruanischen Küche bei. Die verschiedenen Völker, die in Peru? lebten und leben Wie Indianer, Chinesen, Spanier und Portugiesen tragen zur Vielfalt der Menüs bei. Und die neue Küche der Anden (Cocina nuevo andina), um deren Etablierung sich inzwischen viele Köche des Landes bemühen, zeigt die einfache Vielfalt, die Peru`kulinarisch zu bieten hat. Über die Einflüsse verschiedener Kulturen und die Vielfalt der peruanischen Regionalküchen informiert beispielsweise folgender Artikel. http://de.wikipedia.org/wiki/Peruanische_Küche.

Und damit kochen und essen in diesem Artikel keine graue Theoriefür Euch bleiben müssen, kommt hier ein bekanntes aber auch sehr einfaches Rezept mit Fisch und Meeresfrüchten aus der Küstenregion Peru`s: http://www.chefkoch.de/rezepte/817041186224172/Ceviche-Cebiche.html.Andere schmackhafte Rezepte aus unterschiedlichen Regionen des Andenstaates findet Ihr zum Beispiel auf: http://www.chefkoch.de/rs/s0/peru/Rezepte.html.

Im oben genannten Artikel von Wikipedia wird zusammengefasst gesagt, dass die Küche in den verschiedenen Regionen Peru`s meist sehr einfach ist. Eine Ausnahme ist Pachamanka. Dabei handelt es sich um einen Eintopf, der aus verschiedenen Fleischsorten zubereitet wird und an Festtagen verspeist wird. Dass dieses Gericht, das regional sehr unterschiedlich zubereitet wird, nur zu besonderen Anlässen angeboten wird, ist wohl auf die aufwendige Zubereitung zurückzuführen. Denn Pachamanka wird in einem Topf zubereitet, in dem die Zutaten vermittels heißer Asche und in Bananenblätter verpackt, ganz langsam gegart werden.

Als Getränke zu den Mahlzeiten werden beispielsweise Inka Cola, Chicha, Pisco, Pisco Sour Chicha, Chicha Morada, Matetee etc. angeboten. Pisco ist ein Weinbrand, der mit anderen Zutaten zu dem Cocktail Pisco Sour gemixt wird. Chicha ist Maisbier. Chicha Morada ist ein alkoholfreies Getränk aus lilafarbenem Mais.

Niederrheinische Leckereien

Wer bezogen auf den Niederrhein lediglich an den klebrigen Brotaufstrich aus Zuckerrüben, das Rübenkraut, denkt, unterschätzt die Nahrungsvielfalt der Region. Ich mag es übrigens auch nicht, das klebrig süße Rübenkraut. Dagegen schätze ich Püfferkes aller Art und liebe nicht weniger Endivienuntereinander, auch in der Wintervariante. Aber hier kommt das einfache Grundrezept: http://www.chefkoch.de/rezepte/472381140792109/Niederrheinische-Endivien-untereinander.html..

Getrunken wird Muckefuck, Altbier, klarer Schnaps (manchmal auch noch selbst destilliert) wie bei Senta der älteren. Und gegen eine gute Tasse Bohnenkaffee hat man in der Region, die so flach ist, dass man morgens schon sieht, wer nachmittags zum Kaffee kommt, auch nicht das Geringste einzuwenden.

Auch unsere Küche ist einfach und rustikal. Leckere Rezepte, zum Beispiel verschiedene Püfferkes findet Ihr hier: http://www.chefkoch.de/rs/s0/niederrhein/Rezepte.html.

Und da ist eine Sache, in der ich Felicitas allzu gut verstehe. Auch mir würde sie fehlen, die Grillagetorte. Hier kommt das Rezept dazu. Und auch das passende Bild fehlt auf der Webseite nicht: http://www.chefkoch.de/rezepte/745641177141608/Grillage-Torte.html. Wahrscheinlich werdet Ihr schon bei dem schmackhaften Bildmaterial, das dabei ist, heiß auf Eis und versteht, warum Felicitas im siebten Kapitel diese Leckerei beim Kuchenbuffet vermisst.

Ich wünsche all’ Zeit guten Appetit nicht nur, wenn sich peruanische und niederrheinische Küche begegnen!

Liebe Grüße

Paula Grimm

Felicitas – Sonderverkauf von Hörbuch und Taschenbuch

Guten Tag Ihr Lieben,

da bei einer Veranstaltung noch jeweils 15 Exemplare des Hör- und des Taschenbuchs übrig geblieben sind, möchte ich jetzt einen Kehraus machen und diese Bücher verkaufen. Da die gekaufte Menge bei den Taschenbüchern zu gering war, und ich mich bei den Hörbuchverkäufen an die Preisbindung halten muss, kostet jedes gekaufte Exemplar 15,49 € allerdings inklusive Verrsand. Das Hörbuch, das normalerweise nur als Download verfügbar ist, kommt als USB-Stick zu Euch. Und hier kommt eine Kostprobe für diejenigen, die sich für das Audiobook interessieren:

https://www.paulagrimmsschreibwerkstatt.de/2017/06/03/104/, denn der Artikel enthält das erste Kapitel von Felicitas als MP3-Datei, die Ihr mit dem Player abspielen könnt.

Bestellungen nehme ich per Mail entgegen. Ich akzeptiere Überweisungen und Paypal.

Liebe Grüße

Paula Grimm

Fortsetzung von geschlagen mit einem Erschlagenen

0006. Hohlburg, Sonntag 27. Februar 2000

Diese verdammte Schwangerschaft geht mir auf den Geist. Nicht, dass ich mich jeden Morgen übergeben müsste, aber der Energiehaushalt ist durcheinander. Da war mir doch gestern um halb zwei in der Nacht auf einen Schlag die Kraft ausgegangen. Ich bin wirklich geschlagen mit dem, was der von Säbelschaft mit mir gemacht hat. Da ist die Schwangerschaft noch eins der geringsten Übel. Denn die ist in absehbarer Zeit vorbei, was man von seinem Todesfall und auch von den geistigen und seelischen Sachen nicht sagen kann. Und wer weiß, wozu sich dieses ganze Zeug noch auswachsen wird. Aber jetzt geht es erst einmal weiter im Text, bevor mich wieder die Erschöpfung packt, ohne dass ich mein Soll erfüllt habe.

Als ich am folgenden Nachmittag gegen halb drei in die Bar kam, um mit Sybille einen Kaffee zu trinken und ein Bisschen mit ihr zu plaudern, kam die Wagenknecht und überreichte mir einen Schlüsselbund. Am Schlüsselring waren zwei Schlüssel und eine Kette, an der ein viereckiges Kästchen aus durchsichtigem Plastik befestigt war. Das Kästchen enthielt auf der einen Seite das Bild der afrikanischen Fruchtbarkeitsgöttin, wie sie mir von Säbelschaft am vergangenen Abend als Staubfänger hinterlassen hatte und auf der anderen Seite des Kästchens steckte ein Zettel mit der Adresse, Lessingstraße 2. Von Säbelschafts Zweitwohnsitz lag also in der Altstadt von Hohlburg. Ich steckte den Schlüssel in meine Hosentasche. Ohne den Blick von mir abzuwenden, schwang sich die Wagenknecht auf den nächsten Barhocker und meinte in schmeichelndem Ton: „Felicitas, du bist wirklich unser bestes Pferd im Stall!“ „Und das beste Pferd im Stall macht den meisten Mist oder steht mindestens bis zum Bauch im Mist der anderen!“ „Ich weiß, dass du die Außeneinsätze und Hausbesuche nicht magst, aber sie bringen gutes Geld ein.“ Sie lächelte zufrieden. War diese Frau mit den blonden Haaren, dem grauen und dem grünen Auge und den aufgehellten Zähnen jemals eine von uns gewesen? Ich glaubte ihr einfach nicht, dass sie auch drei Jahre lang angeschafft hatte, obwohl sie hübsch und gewandt genug war. „Du und dein Mann, ihr kriegt gutes Geld dafür, dass ihr uns vermittelt. Aber wir kriegen keinen Pfennig mehr, wenn wir ausrücken müssen. Du weißt ganz genau, dass ich mich nicht über die Bezahlung beschwere, weil ich da draußen genau die Arbeit mache, die ich hier auch mache. Und doch hast du mir gerade nur geschmeichelt von wegen das beste Pferd im Stall, um mich zu bestechen. Du wolltest mir ein Bisschen vom Kuchen abgeben, um mich zu korrumpieren!“ „Korrumpieren?“ Die Wagenknecht machte Sybille ein Zeichen, dass sie jetzt auch einen Kaffee haben wollte. „Immer, wenn du bei ‚ner Unterhaltung nicht weiter kommst, und wenn man gar nicht damit rechnet, kommst du mit ‚nem Fremdwort ‚rüber!“ „Na, und?“ „Ich wollte dir doch nur sagen, dass der von Säbelschaft dich auch für was ganz Besonderes hält und sich erkundigt hat, was ist, wenn er dir ‚nen Bonus gibt. Und du weißt, dass der Theo und ich da nicht pingelig sind.“ „Wenn du mir das sagen wolltest, warum eierst du denn dann so ‚rum und sagst das nicht gleich?“ Wir sahen uns lange an, die Sybille und ich. Und wir dachten das Selbe. „Wie gut, dass er sich keine andere ausgesucht hat, der Schmutzpuckel. Dass er gleich bei den Hurenwirten ‚nen Bonus anmeldet, ist echt ’n starkes Stück!“ „Ähm, ähm, ich konnte ja nicht so mit der Tür ins Haus fallen, weil das ja schon echt ungewöhnlich ist, wenn einer das so macht!“ „Menschenskind, wie dumm kann man eigentlich sein? Dass so einer nicht ohne ‚nen miesen Grund zu haben oder aus Berechnung keine Vorschusslorbeeren gibt, musste euch, dem Theo und dir, doch klar sein!“, schaltete sich Sybille mit ihrer angenehm tiefen Stimme ein. Und das Entsetzen stand ihr im Gesicht geschrieben. Die Wagenknecht sah Sybille zornig in die grünbraunen Augen. „Werd‘ du ja nicht frech! Sonst schmeiß‘ ich dich ‚raus!“, fauchte sie musste dann aber den Blick von dem guten Geist des Aphrodite abwenden, weil sie dann doch spürte, dass Sybille recht hatte. Und sie wusste endlich wieder, was sie an dieser ehrlichen Haut hatte. Sybille hätte nicht ein einziges Wort verloren, wenn es nicht richtig und wichtig gewesen wäre. Das wusste die Wagenknecht genau. Eine sehr unangenehme Pause entstand. Und es schien plötzlich mehrere Grad Kälter zu werden, in der Bar. Und die Wagenknecht hielt die Stille dann doch nicht mehr aus. „Du wirst schon mit ihm fertig, Felicitas!“ „Früher oder später vielleicht!“, erwiderte ich resigniert und fügte nach einer kurzen Pause mit fester Stimme hinzu: „Aber eins steht fest! Mit dem mache ich mich nicht gemein, egal, was der mir anbietet!“

An diesem Dienstag betrat ich das Haus in der Lessingstraße genau um vier Uhr. Die Zweitwohnungen Siegbert von Säbelschaft befand sich in der ersten Etage eines dreistöckigen alten Hauses. Die Dreizimmerwohnung mit ihren hohen Decken und Fenstern, den Dielenböden und den teuren Fliesen in bad und Küche war stilvoll mit Antiquitäten und hochwertigen Accessoires eingerichtet worden aber nicht von Siegbert von Säbelschaft. Das spürte ich genau, nachdem ich die Wohnung betreten und die Eingangstür hinter mir zugemacht hatte. Jemand hatte ihm die Wohnung mit allem Drum und Dran eingerichtet. Und sowohl diese Person als auch Siegbert von Säbelschaft wollten, dass jede, die hierher kam, das auf Schritt und Tritt spürte. Als ich das gewahr wurde, musste ich unwillkürlich an Ernestine von Säbelschaft denken, die sich gestern einfach so in meiner Küchentür aufgebaut hatte.

Während ich durch die Wohnung ging, um mich genau aber nicht pedantisch mit dem Ort vertraut zu machen, verstärkte sich das Gefühl, dass es seine Mutter gewesen war, die von Säbelschaft diese Wohnung eingerichtet hatte und hier immer noch wirkmächtig war, noch viel mehr. Der Gedanke, der mir durch den Kopf geschossen war, dass es vielleicht auch seine Frau oder feste Freundin gewesen sein konnte, die ihm dieses Nobelnest für besondere Zwecke eingerichtet haben könnte, schob ich endgültig beiseite. Allerdings zeigte sich Ernestine zumindest an diesem Nachmittag nicht.

Sie ließ sich nicht einmal blicken, als ich in das Arbeitszimmer ging, bei dem ich spürte, dass von Säbelschaft mir den Zutritt verbieten würde, schritt ihr Geist nicht ein. In diesem Zimmer sah ich mich auch nur kurz um. Lediglich den Schreibtisch aus gebeiztem Eichenholz betrachtete ich genauer und länger. An der linken Seite des Möbelstücks waren drei Schubladen und an der rechten gab es eine Tür. Irgendetwas sagte mir, dass die mittlere Schublade das Teil war, dass von Anfang an meine Aufmerksamkeit auf das Möbelstück gelenkt hatte, und ich mir merken musste, sie immer wieder zu betrachten. Diesmal steckte kein Schlüssel im Schloss der Schublade. Meine Aufmerksamkeit war geweckt aber nicht meine Neugier. Denn obwohl ich länger hinsah, spürte ich nicht die geringste Ungeduld in mir aufkommen.

Die Küche war der Hammer. Sie war in einem sehr unangenehmen Sinn das Glanzstück des Hauses. Hier gab es alles, was teuer und glänzend war, manches sogar in doppelter Ausführung. So standen gleich zwei Saftpressen nebeneinander. Beide waren von Ernestine mit einem Schild versehen worden. Auf der rechten stand Obstsaft und auf der linken Presse war in blau auf Gold Gemüsesaft zu lesen. Die Frauen, die hier nach der Sexarbeit kochen mussten, sollten sich in all dem Küchenprunk fehl am Platz und minderwertig fühlen, so viel stand fest. Und um dieser Absicht zumindest einmal zu widersprechen, und weil ich wusste, dass es Siegbert überhaupt nicht recht sein würde, dass ich hier vor getaner Arbeit gemütlich einen Kaffee schlürfte, ging ich zu dem einzigen Gerät, das mir wirklich gut gefiel, dem italienischen Kaffeevollautomaten und machte mir erst mal einen großen schwarzen Kaffee. Damit setzte ich mich an den Küchentisch und trank in aller Ruhe.

Es war viertel nach fünf, als Siegbert von Säbelschaft die Wohnungstür aufschloss. Ich hatte richtig vermutet, dass auch er heute früher kommen würde, um mich gegebenenfalls dabei ertappen zu können, dass ich doch später kommen würde als er. „Felicitas?“, rief er fröhlich. „Ja!“, antwortete ich immer noch in der Küche sitzend mit einer och nicht ganz leeren Kaffeetasse vor mir. Als er in die Küche kam und sah, dass ich Kaffee trank, blitzten seine blauen Augen wütend. Ich trank den letzten Schluck Kaffee, stand auf, brachte die Tasse in die Spülmaschine und trat auf von Säbelschaft zu. Die Gelassenheit, die ich dabei offenbar ausstrahlte, brachte ihn auf die Palme. Aber, als ich ihn ruhig ansprach und damit das erste Wort hatte, fiel sein Zorn in sich zusammen. „Siegbert, du willst, dass ich hier dreimal in der Woche auf dich warte, du willst, dass ich Sexarbeit für dich mache und für dich koche und die Geschichten über deine Geschäfte und dein Frauchen soll ich mir auch anhören, da muss ‚ne Tasse Kaffee im Vorab drin sein!“ „Aber Kaffee ist teuer!“ „Und darum bringe ich auch regelmäßig welchen mit. Da lass‘ ich mich nicht lumpen! Obwohl für jeden, der extra ins Haus kommt, um für einen zu arbeiten, ein Kaffee drin sein sollte!“ Ihm fiel keine Erwiderung ein. Er sah mich wie ein trotziges Kleinkind an. Schließlich drehte er sich um und ging ins Schlafzimmer. Ich folgte ihm. Als ich das Zimmer betrat, stand er unschlüssig vor einer offenen Truhe, die das vollständige Sortiment eines Sexshops zu enthalten schien. Schließlich wandte er sich von der Truhe ab und begann sich auszuziehen. „Mir fällt heute nix ein! Schlag vor, was wir machen. Hilf mir auf die Sprünge!“ Er grinste. An diesem Dienstag half ich ihm dreimal auf die Sprünge. Danach kochte ich Spaghetti Tonno.

Immer wieder kommt mir der Gedanke, dass es gut, richtig und wichtig war, mich Siegbert von Säbelschaft und dem Geist seiner Großmutter nicht geschlagen zu geben, mich selbst so gut wie möglich zu behaupten, mich bestimmten Regeln zu widersetzen und damit ein gutes stück Eigenmächtigkeit zu bewahren. So gewöhnte ich es mir an, immer, wenn ich die Wohnung betrat, den Geist von Ernestine von Säbelschaft, der in den Zimmern wehte, zu begrüßen und mit ihm zu sprechen. Außerdem betrat ich jedes Mal, wenn ich meine Jacke ausgezogen hatte, zuerst das Arbeitszimmer, um für einen langen Augenblick den Schreibtisch anzusehen. Mein Blick ruhte dabei immer auf der mittleren Schublade, ob der Schlüssel nun steckte oder nicht. Und ein viertel Jahr lang traf mich Siegbert von Säbelschaft Dienstags, donnerstags und samstags kaffeetrinkend an. Die Zeiten, die ich mit von Säbelschaft verbringen musste, hielt ich so kurz wie möglich. So sorgte ich dafür, dass die Mahlzeiten, die er nach der Sexarbeit mit mir einnehmen wollte, weitgehend oder vollständig vorbereitet waren, sodass ich das Essen nur noch einmal aufwärmen musste. Er regte sich jedes Mal darüber auf, dass ich seinen Kaffee trank, obwohl ich für Nachschub sorgte und den Kaffeeautomaten gewissenhaft pflegte. Auch, dass ich ihn immer so schnell wie möglich abspeiste, ließ er nicht umkommentiert. „Ich will dieses Fast Food nicht!“, mäkelte er. „Das ist keine Schnellmahlzeit, obwohl ich das Essen nur aufgewärmt habe!“ „Ich will aber keinen aufgewärmten Fraß sondern frisches Essen!“ „Dann musst du in ein Restaurant gehen. Ich hab’ schließlich nicht den ganzen Abend Zeit!“ „Aber ich bezahle doch dafür, dass du hier bist!“ „Andere zahlen auch dafür, dass ich für sie da bin. Und die sind mindestens genauso gute Kunden wie du. Ich werde keinen anderen Freier vernachlässigen wegen dir!“ „Willst du mehr Geld oder was?“ „Das hat nix mit der Bezahlung zu tun. Das hat nur was mit meinen eisernen Prinzipien zu tun!“ „Eiserne Prinzipien!“, schnaubte er verächtlich. „Genau! Ich mache nicht viele Regeln für meine Kunden. Aber die, die ich mache, die gelten, und die setze ich durch!“

Er stellte viele Regeln auf, die vor allem für mich galten. Aber auch Siegbert selbst hatte immerhin einige Angewohnheiten, an die er sich fast immer hielt. So ging er jedes Mal, nach dem wir Sex miteinander gehabt hatten, in sein Arbeitszimmer und machte hinter sich die Tür zu, während ich das Essen fertig machte und den Tisch deckte. Dass er sich über die schnelle Abfertigung ärgerte, lag wohl auch daran, dass er mehr Zeit haben wollte für die Dinge, die er im Arbeitszimmer noch zu tun hatte. Vermutlich tat er im Arbeitszimmer seiner Zweitwohnung irgendwelche Sachen, die er in seiner Firma und zuhause bei seiner Frau nicht erledigen konnte oder wollte. Nur zweimal in den drei Monaten verließ er sein Arbeitszimmer und ging in die Küche, einmal im Dezember und einmal im Januar. Beide Male wartete er bis ich auf die Toilette ging, während das Essen auf dem Herd erwärmt wurde. Und als ich wieder in die Küche kam, stand er vor dem Weinregal und tat so als ob er gerade dabei wäre einen geeigneten Wein zu suchen.

Sowohl im Dezember als auch im Januar war mir nach diesen Treffen mit Siegbert von Säbelschaft zwei Tage richtig schlecht. Was er mir ins Essen getan hat, weiß ich nicht. Aber bei unserem letzten Termin am 15. Februar verstand ich, dass er mir etwas ins Glas oder auf den Teller getan hatte, und warum er meine Verdauung durcheinander gebracht hatte.

Sexuell war Siegbert von Säbelschaft sehr vielseitig. „Ich kenne das Buch der Liebeskunst in- und auswendig!“, behauptete er. Camasutra war neben einigen Büchern zum Wirtschaftsrecht und dem Gesamtwerk von Johannes Mario Simmel die einzige Lektüre in seinem antiken Bücherregal, das weitgehend leer in seinem Wohnzimmer stand. Ich kannte alle Praktiken, die er von mir verlangte. Und es ärgerte ihn, dass es nicht ein einziges Mal vorkam, dass ich etwas nicht kannte und sicher jede Stellung einnahm, die er von mir verlangte. „Das kennst du auch?“ „Natürlich kenne ich das. Das ist mein Beruf!“ „Ich dachte, du bist einfach ‚ne solide Nutte, ganz nullachtfünfzehn!“ Doch da hatte er sich getäuscht. Nie sagte ich etwas dazu, dass er mich für Nullachtfünfzehn hielt. Und da er unbedingt das letzte Wort haben wollte, sagte er mir den Kampf an: „irgendwann kriege ich dich dran, zeig‘ ich dir, wo der Hammer hängt und krieg’ dich klein. Und dann musst du dich geschlagen geben!“

Der Geist seiner Großmutter zeigte sich mir mindestens einmal in der Woche, aller Dings nie, wenn Siegbert dabei war. Oft stand oder saß sie irgendwo und starrte mich an. Doch sie war es, die die Geduld verlor und ihren Blick abwenden musste. Sie versuchte auch, mit mir über die Möbel und die Accessoires zu plaudern. Darauf reagierte ich solange einsilbig, bis sie das Interesse an Small Talk verlor. Dann zog sie sich schmollend zurück, um nach einiger Zeit plötzlich wieder aufzutauchen und mich zu beschimpfen. „Du dreckige Hure, warum tust du nicht genau das, was Siegbert von dir verlangt. Du dummes Ding hast doch ohnehin schon verloren. Dich kriegen wir auch noch klein. Man sollte dich einfach tot schlagen!“

Ich weiß nicht genau, wie ich es schaffte, ihre Schimpftiraden ruhig über mich ergehen zu lassen. Doch es musste etwas damit zu tun haben, dass ich nicht von allen guten Geistern verlassen war. Obwohl ich sie nicht sah, floss mir Ruhe zu, die nur von Salvadora, meinem treuen Krafttier und dem Geist meiner Großmutter zufließen konnten. Und ab Mitte Dezember räumte ich oft von Siegbert und Ernestine, die sich wie trotzige, kleine Kinder, die ihren willen nicht bekommen, auf dem Boden im Arbeitszimmer der Zweitwohnung lagen und wehrlos um sich schlugen und traten. Obwohl das grotesk war und sie dabei so hilflos wirkten wie die kleinen, verwöhnten Kinder, blieb ich auf der Hut und unterschätzte sie nicht. Nicht nur, weil ich deutlich die Kraft sah, die sie hatten.

Morgen muss ich dann endlich erzählen, welchen üblen Plan ich am 15. Februar entdeckte. Die Dinge, die geschehen sind, müssen offen ausgesprochen oder aufgeschrieben werden, damit sie in gewisser Weise erledigt sind, obwohl sie damit natürlich nicht vorbei und bedeutungslos geworden sein werden. Sie werden aber immerhin an Größe verlieren und mir nicht mehr die Sicht auf das Hier, das Jetzt und das Morgen versperren, wie es jetzt noch der Fall ist.
P. S.: Informationen zum ersten Band des Felicitasprojekts gibt es unter

https://www.felicitasbuchbloggerei.de/2017/10/28/felicitas-wie-alles-begann/. Wenn du den Roman, so wie er jetzt ist, von Anfang lesen möchtest und das Projekt genauer kennenlernen möchtest, gehe einfach zur Startseite und Lese von Anfang an.

Fanseite für die Felicitasromanreihe auf Facebook eröffnet!

Guten Tag Ihr Lieben,

es ist ein Versuch. Und hoffentlich ist es ein Versuch, der nicht nur klugmacht, wie das geflügelte Wort lautet, sondern auch erfolgreich ist. Vorgestern habe ich sie eingerichtet, die Facebookfanseite https://www.facebook.com/felicitasromane. Profil- und Titelbild sowie drei Artikel sind bereits eingestellt. Einer betrifft die Osteraktion für Hörbuchfans.

Wer sich mit einer Mail an mich wendet, kann einen Download der Hörbuchversion via Dropbox erhalten oder einen USB-Stick, wenn er oder sie mir seine Postanschrift mitteilt. Als Dankeschön wäre ein Like auf der neuen Seite und ein Kommentar oder eine Rezension sehr nett.

Ob die neue Fanseite für die Felicitasromane einen größeren Erfolg als dieser Blog hat? Das wird sich zeigen. Ich gebe dem Versuch bis zum Herbstanfang. Sollte sich in diesem halben Jahr keine größere Community entwickeln, wird die Seite eingestellt. Je nach dem, wie sich https://felicitasblogblog.wordpress.com dieser Blog und die Fanseite entwickeln, werde ich im Herbst auswählen, welche Seite oder Seiten bestehen bleiben. Gebt mir ohne Scheu Bescheid, was Euch mehr liegt, bloggen oder Facebookk und besucht die Felicitas und mich mal dort und schreibt Eure Meinung dazu!

Liebe Grüße

Paula Grimm